Wer in den USA einen Road Trip plant, muss sich zwangsläufig mit dem komplexen Mautsystem auseinandersetzen. Anders als in Deutschland gibt es in vielen Staaten der Vereinigten Staaten mautpflichtige Straßen, Brücken und Tunnel. Als Reisender aus Deutschland ist es wichtig, die Regeln zu kennen, um hohe Nachgebühren oder Strafen vom Mietwagenanbieter zu vermeiden.
Warum Maut bezahlen in den USA kompliziert ist
Das Mautsystem in den USA ist nicht zentral geregelt, sondern wird von den jeweiligen Bundesstaaten, Countys oder privaten Betreibern administriert. Das bedeutet, dass es unterschiedliche Zahlungsmethoden, Tarife und Abrechnungssysteme gibt – oft sogar innerhalb eines einzigen Bundesstaates. Viele Mautstellen (Toll Booths) akzeptieren heute kein Bargeld mehr, sondern funktionieren rein elektronisch. Dies stellt Mietwagenfahrer vor besondere Herausforderungen.
Mautsysteme im Überblick
Die gängigsten Mautsysteme in den USA sind:
- Elektronische Transponder (E-ZPass, SunPass, FasTrak etc.): Ein kleiner elektronischer Sender wird an der Windschutzscheibe angebracht und registriert automatisch die Durchfahrt. Die Gebühr wird direkt vom verknüpften Guthaben abgebucht. Dieses System wird von den meisten lokalen Pendlern genutzt.
- Pay-by-Plate (Video Toll): Bei manchen elektronischen Mautstellen ohne Barzahlung wird das Kennzeichen des Fahrzeugs fotografiert. Die Rechnung wird dann an den Halter (in Ihrem Fall die Mietwagenfirma) geschickt.
- Cash Lanes (Bargeld): Diese Spuren sind selten geworden, insbesondere in Ballungszentren, existieren aber noch in einigen ländlichen Gebieten.
Die Handhabung der Maut mit dem Mietwagen
Als Mieter in den USA haben Sie in der Regel drei Optionen, Maut zu begleichen:
1. Maut-Service des Mietwagenunternehmens (Convenience Fee)
Dies ist die bequemste, aber auch teuerste Option. Fast alle großen Vermieter, wie Hertz oder Sixt, bieten einen automatischen Maut-Service an. Das System ist meist entweder ein im Fahrzeug eingebauter Transponder oder die automatische „Pay-by-Plate“-Abrechnung, bei der Ihr Kennzeichen mit dem Konto des Vermieters verknüpft wird.
Wie es funktioniert: Sie nutzen einfach die elektronischen Mautspuren. Die Mautgebühren sowie eine Verwaltungsgebühr (Convenience Fee), oft pro Tag oder pro Nutzungstag, werden später Ihrer Kreditkarte belastet.

- Tagesgebühr: Diese Gebühr liegt oft zwischen 3,95 USD und 8,99 USD (ca. 3,70 EUR bis 8,30 EUR) pro Nutzungstag (oder für die gesamte Mietdauer, je nach Anbieter und Dauer, z.B. maximal 30 USD).
Vorteil: Max. Komfort und Vermeidung von Strafgebühren.
Nachteil: Hohe Verwaltungsgebühr, die schnell teurer sein kann als die eigentliche Maut.
2. Eigener Transponder-Kauf
In einigen Bundesstaaten (z.B. Florida mit SunPass, Kalifornien mit FasTrak) ist es möglich, einen wiederaufladbaren Transponder für Touristen zu erwerben. Dies ist meist kompliziert, wenn man plant, durch mehrere Bundesstaaten mit unterschiedlichen Systemen zu fahren.
3. Mautstellen meiden oder Barzahlung nutzen
Wenn Sie die Gebühren des Vermieters umgehen möchten, müssen Sie Mautstraßen aktiv vermeiden (Navigationsgerät auf „Mautstraßen vermeiden“ einstellen) oder, wo verfügbar, die Spur für Barzahler nutzen.
Vorsicht: In Gebieten wie Miami, Dallas, New York City, oder Chicago gibt es oft keine Barzahlungsspuren mehr. Wer hier versehentlich eine elektronische Mautspur ohne bezahlten Service befährt, muss mit einer hohen Vertragsstrafe des Vermieters rechnen, da dieser für die nachträgliche Bearbeitung der „Pay-by-Plate“-Rechnung eine hohe Verwaltungsgebühr verlangt – oft 25 USD (ca. 23 EUR) oder mehr pro Verstoß, zusätzlich zur Maut selbst.
Kostenfallen und Verwirrung vermeiden
Abrechnungsmodell prüfen: Fragen Sie bei der Mietwagenübernahme genau nach, wie der Maut-Service abgerechnet wird. Einige Unternehmen berechnen die Verwaltungsgebühr nur an Tagen, an denen Sie tatsächlich eine Mautstraße benutzt haben; andere berechnen sie für die gesamte Mietdauer, sobald der Service einmal aktiviert wurde.
Nutzung des eigenen Handys als Navigationsgerät: Apps wie Google Maps oder Waze können Ihnen helfen, Mautstraßen zu meiden, wenn Sie diese Option im Menü einstellen. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn die Strecke über alternative, mautfreie Routen oft nur unwesentlich länger ist.
Typische Mietwagen-Mautgebühren (Beispiele, ohne Mautkosten selbst):
| Anbieter | Gebührenart | Verwaltungsgebühr (USD) | Im Euro (ca. EUR) |
|---|---|---|---|
| Hertz/Firefly | PlatePass / TollDay Pass | 5,95 USD pro Nutzungstag, max. 30 USD/Miete | 5,50 EUR, max. 27,50 EUR |
| Alamo/National | TollPass Convenience | 3,95 USD pro Nutzungstag | 3,65 EUR |
| Avis/Budget | e-Toll | 5,95 USD pro Nutzungstag | 5,50 EUR |

*(Basis: USD zu EUR Umrechnungskurs ca. 0,92)
Besondere Regelungen für beliebte Reiseziele
Florida (SunPass)
In Florida ist das Mautsystem, insbesondere in der Gegend um Miami und Orlando, fast vollständig elektronisch. Das Fahren ohne Maut-Transponder oder Pay-by-Plate-Verbindung ist dort kaum möglich. Für deutsche Touristen, die Flexibilität wünschen, ist die Annahme des Mietwagen-Maut-Services oft der einfachste Weg, trotz der Zusatzkosten.
Kalifornien (FasTrak)
Kalifornien nutzt FasTrak. Beachten Sie, dass die „Fast Lanes“ (CarPool Lanes oder HOV-Lanes) nicht zwingend mautpflichtig sind, aber nur mit mindestens zwei oder mehr Insassen befahren werden dürfen. Mautpflichtige Straßen (wie die Golden Gate Bridge) sind oft rein elektronisch.
New York/New Jersey (E-ZPass)
Im Großraum New York werden viele Brücken und Tunnel elektronisch abgerechnet. Barzahlung ist hier fast völlig abgeschafft. Wer in Manhattan oder New Jersey unterwegs ist, sollte definitiv den Maut-Service des Vermieters in Anspruch nehmen.
Dokumente und Sicherheit für Reisende aus Deutschland
Für das Fahren eines Mietwagens in den USA benötigen Sie als Reisender aus Deutschland einen gültigen deutschen Führerschein sowie Ihren Reisepass. Obwohl der internationale Führerschein (zusätzlich zum nationalen) offiziell nicht in allen Staaten verpflichtend ist, wird er von den meisten Mietwagenfirmen und Verkehrsbehörden dringend empfohlen und akzeptiert. Er dient der sprachlichen Untermauerung Ihres deutschen Führerscheins.
Wichtig: Die Verkehrsregeln in den USA unterscheiden sich stark von den deutschen Regeln, insbesondere in Bezug auf Rechtsabbiegen bei Rot (erlaubt, es sei denn, es ist explizit verboten) und die Regelungen an Stoppschildern. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden in Meilen pro Stunde (mph) angegeben. Die US-amerikanischen Verkehrsgesetze von Bundesstaat zu Bundesstaat sind strikt einzuhalten.
Versicherungen und Maut
Die Mautkosten und die damit verbundenen Verwaltungsgebühren werden immer separat von der Basismiete und der Versicherung berechnet. Achten Sie darauf, dass Ihre Basisversicherung die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflicht abdeckt, empfehlenswert sind jedoch immer zusätzliche Deckungen wie LDW (Loss Damage Waiver) oder CDW (Collision Damage Waiver), die Schäden am Mietfahrzeug selbst abdecken. Die Maut ist ein Betriebskostenfaktor, der zu den Treibstoff- und Parkgebühren hinzukommt.

